BMI bei Sportlern

Wer regelmäßig Kraftsport betreibt, bekommt vom BMI oft ein Ergebnis, das nicht zum Spiegelbild passt. Der Grund ist keine Formelschwäche, sondern eine Konstruktionsentscheidung: Der BMI kennt nur Kilogramm, nicht deren Herkunft.

BMI berechnen (Sportler)

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Zwei Körper, ein BMI: die Rechnung

Nehmen wir zwei Männer, beide 1,82 m groß, beide 90 kg schwer. Größe im Quadrat: 1,82 × 1,82 = 3,3124. BMI für beide: 90 ÷ 3,3124 = 27,2 – nach WHO Übergewicht. Jetzt die Zerlegung in fettfreie Masse und Fettmasse.

MerkmalKraftsportlerUntrainiert
Körperfettanteil10 %30 %
Fettmasse90 × 0,10 = 9,0 kg90 × 0,30 = 27,0 kg
Fettfreie Masse90 − 9 = 81,0 kg90 − 27 = 63,0 kg
FFMI (fettfreie Masse ÷ 3,3124)24,519,0
Taillenumfang (typisch)rund 84 cmrund 106 cm
BMI27,227,2

Zwischen beiden liegen 18 kg Fett und 18 kg fettfreie Masse. Der BMI zeigt exakt dieselbe Zahl, der FFMI trennt sie um 5,5 Punkte, und der Taillenumfang trennt sie noch deutlicher: 84 cm liegen klar unter dem Männer-Grenzwert von 94 cm, 106 cm liegen über der zweiten Schwelle von 102 cm. Wer nur den BMI ansieht, bekommt hier die schlechteste verfügbare Information.

Warum die fettfreie Masse den Ausschlag gibt

Muskulatur wiegt bei gleichem Volumen mehr als Fettgewebe – die Dichte von Muskelgewebe liegt bei etwa 1,06 g/cm³, die von Fettgewebe bei etwa 0,9 g/cm³. Ein Kilogramm Muskeln braucht also spürbar weniger Platz als ein Kilogramm Fett. Ein Athlet, der über vier Jahre 8 kg Muskulatur aufbaut und dabei 4 kg Fett verliert, wiegt 4 kg mehr als vorher und sieht schlanker aus. Sein BMI steigt bei 1,82 m um 4 ÷ 3,3124 = 1,2 Punkte, während sein Körperfettanteil und sein Taillenumfang sinken. Diese Bewegung in entgegengesetzte Richtungen ist der Kern des Problems: Der BMI hat kein Vorzeichen für die Qualität des Gewichts.

Ein zweiter Punkt kommt dazu. Der Zusammenhang zwischen BMI-Klasse und Erkrankungshäufigkeit, auf dem die WHO-Grenzen beruhen, stammt aus großen Bevölkerungsstichproben. In diesen Stichproben ist ein hoher BMI fast immer mit einem hohen Fettanteil verbunden, weil sehr muskulöse Menschen selten sind. Für die Gruppe gilt der Zusammenhang – für den Einzelnen, der genau die Ausnahme ist, gilt er nicht. Diese Logik erklärt die Seite Kritik am BMI ausführlicher.

Was Sie stattdessen messen sollten

Taillenumfang. Die schnellste und robusteste Gegenprobe: ein Maßband, dreißig Sekunden, keine Formel. Grenzwerte 94 und 102 cm für Männer, 80 und 88 cm für Frauen. Ein Kraftsportler mit BMI 28 und 85 cm Taille hat kein Bauchfettproblem – Punkt. Die Messtechnik steht auf der Seite Taillenumfang messen.

Körperfettanteil. Orientierungswerte für sportlich aktive Erwachsene liegen bei Männern etwa zwischen 8 und 18 %, bei Frauen zwischen 18 und 26 %. Bioimpedanzwaagen schwanken je nach Flüssigkeitshaushalt; messen Sie immer morgens, nüchtern, vor dem Trinken und vor dem Training. Methoden und Grenzen beschreibt die Seite Körperfettanteil berechnen.

FFMI. Die Kennzahl, die für Kraftsport gemacht ist: fettfreie Masse geteilt durch Größe im Quadrat. Werte ab 22 gelten bei Männern als sehr gut trainiert, ab 17,5 bei Frauen. Im Verlauf ist der FFMI die beste Rückmeldung während einer Diät: Bleibt er stabil, während das Gewicht sinkt, verlieren Sie Fett und keine Substanz.

Nicht jeder Sportler hat einen zu hohen BMI

Der umgekehrte Fall wird oft übersehen. In Ausdauersportarten liegt der BMI häufig am unteren Rand: Ein Marathonläufer mit 1,78 m und 62 kg kommt auf 62 ÷ 3,1684 = 19,6 – im Normalbereich, aber nahe an der Untergewichtsgrenze von 18,5. Das ist bei hohem Trainingsumfang und niedrigem Fettanteil erst einmal plausibel. Kritisch wird es, wenn die Energiezufuhr dauerhaft unter dem Verbrauch bleibt: Dann drohen Zyklusstörungen, Leistungseinbruch, Ermüdungsbrüche und ein Absinken der Knochendichte. Warnzeichen sind ausbleibende Regeneration, häufige Infekte, Schlafstörungen und ein weiter fallendes Gewicht ohne Absicht. Wie sich der tatsächliche Verbrauch abschätzen lässt, zeigt die Seite Kalorienbedarf berechnen; zur Einordnung sehr niedriger Werte hilft die Seite Untergewicht. Wenn Essen und Training zu einem Kontrollthema werden, ist das BZgA-Beratungstelefon unter 0221 89 20 31 eine niedrigschwellige Anlaufstelle.

Ab wann ist ein hoher BMI auch bei Sportlern ein Thema?

Drei Situationen sprechen dafür, genauer hinzusehen, auch wenn Sie trainieren. Erstens: Der Taillenumfang steigt über 94 cm (Männer) beziehungsweise 80 cm (Frauen) – dann kommt das Zusatzgewicht nicht aus dem Training. Zweitens: Der Körperfettanteil liegt trotz Krafttrainings über 25 % (Männer) oder über 32 % (Frauen). Drittens: Blutdruck, Nüchternblutzucker oder Blutfette sind auffällig. In allen drei Fällen ist die relevante Zahl nicht der BMI, sondern der Befund daneben. Und in Kraftsportarten mit Gewichtsklassen gilt zusätzlich: Ein BMI über 30 aus Muskelmasse belastet Gelenke, Herz und Kreislauf trotzdem – Muskeln sind kein Freibrief, sie sind nur eine bessere Erklärung für die Zahl. Wie stark der Effekt bei Körpergröße mitspielt, zeigt die Seite BMI bei sehr kleinen und sehr großen Menschen.

Häufige Fragen

Warum ist mein BMI trotz Sport zu hoch?

Weil der BMI nur Gewicht und Größe kennt. Muskulatur wiegt mehr als Fettgewebe bei gleichem Volumen und treibt den Wert nach oben, ohne dass der Fettanteil steigt.

Welche Kennzahl sollten Kraftsportler nutzen?

Den FFMI zusammen mit dem Körperfettanteil, ergänzt um den Taillenumfang. Diese drei Werte beschreiben einen trainierten Körper deutlich besser als der BMI allein.

Ab welchem BMI ist auch bei Sportlern Vorsicht geboten?

Nicht der BMI entscheidet, sondern der Befund daneben: ein Taillenumfang über 94 cm bei Männern oder 80 cm bei Frauen, ein hoher Körperfettanteil oder auffällige Blutwerte.

Ist ein niedriger BMI bei Ausdauersportlern normal?

Werte um 19 bis 21 sind bei hohem Trainingsumfang häufig. Problematisch wird es erst, wenn die Energiezufuhr dauerhaft zu niedrig ist und Regeneration, Zyklus oder Knochendichte leiden.

Wie erkenne ich in einer Diät, ob ich Muskeln verliere?

Beobachten Sie den FFMI im Verlauf. Bleibt er bei sinkendem Gewicht konstant, verlieren Sie überwiegend Fett; fällt er, ist das Defizit zu groß oder die Eiweißzufuhr zu niedrig.

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