Untergewicht bei Frauen
Ein BMI unter 18,5 gilt als Untergewicht. Bei Frauen zeigt sich zu wenig Körpermasse oft zuerst am Zyklus: Bleibt die Periode aus, fehlt dem Körper Energie – mit Folgen für Knochendichte und Fruchtbarkeit.
Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.
Ab wann ist der BMI zu niedrig?
Untergewicht beginnt unter einem BMI von 18,5, ab 17 spricht man von mäßigem, unter 16 von starkem Untergewicht. Zwei Beispiele: 1,65 m und 49 kg ergeben 49 ÷ 2,7225 = BMI 18,0; 1,72 m und 47 kg ergeben BMI 15,9. Zum Normalgewicht fehlen im ersten Fall rund 2 kg, im zweiten rund 8 kg.
| Körpergröße | BMI 18,5 (untere Grenze) | BMI 20 | BMI 22 (Mitte des Normalbereichs) |
|---|---|---|---|
| 1,60 m | 47,4 kg | 51,2 kg | 56,3 kg |
| 1,65 m | 50,4 kg | 54,5 kg | 59,9 kg |
| 1,70 m | 53,5 kg | 57,8 kg | 63,6 kg |
| 1,75 m | 56,7 kg | 61,3 kg | 67,4 kg |
Nicht jede schlanke Frau ist behandlungsbedürftig: Wer konstitutionell zierlich ist, seit Jahren stabil wiegt, regelmäßig menstruiert und normale Blutwerte hat, ist meist unauffällig. Kritisch wird es, wenn das Gewicht ungewollt sinkt oder Beschwerden auftreten. Die allgemeinen Grenzen finden Sie unter Untergewicht, die Werte für Ihre Größe in der BMI-Tabelle und beim Idealgewicht nach Körpergröße.
Der Zyklus als Frühwarnsystem
Der Körper stellt die Fortpflanzung ein, wenn die Energiebilanz über längere Zeit negativ ist. Fachlich heißt das funktionelle hypothalamische Amenorrhoe: Die Steuerhormone aus dem Zwischenhirn werden gedrosselt, der Eisprung bleibt aus, die Periode verschwindet. Auslöser sind zu wenig Energie im Verhältnis zum Verbrauch – häufig eine Kombination aus viel Sport, wenig Essen und Stress; das Körpergewicht kann dabei sogar noch im unteren Normalbereich liegen. Warnzeichen sind unregelmäßige, sehr schwache oder ausbleibende Blutungen, Frieren, Haarausfall, brüchige Nägel, niedriger Blutdruck, Schlafstörungen und Antriebslosigkeit. Drei ausgebliebene Zyklen in Folge gehören gynäkologisch abgeklärt – auch, um andere Ursachen wie ein PCO-Syndrom oder eine Schilddrüsenerkrankung auszuschließen.
Knochendichte: Der Schaden entsteht früh
Östrogen schützt die Knochen. Fehlt es über Monate, sinkt die Knochendichte – und zwar in einer Lebensphase, in der eigentlich die maximale Knochenmasse aufgebaut wird, nämlich bis etwa Mitte 20. Die Folgen sind Stressfrakturen bei Läuferinnen, später ein deutlich erhöhtes Osteoporoserisiko. Der Aufbau ist nur begrenzt nachholbar, deshalb ist frühes Gegensteuern entscheidend. Praktisch bedeutet das: ausreichend Energie, etwa 1.000 mg Kalzium täglich (250 ml Milch liefern rund 300 mg, 30 g Hartkäse rund 300 mg, Grünkohl und Brokkoli tragen bei), eine geprüfte Vitamin-D-Versorgung und belastende Bewegung wie Krafttraining oder Springen statt ausschließlich Schwimmen und Radfahren.
Kinderwunsch und Schwangerschaft
Ohne Eisprung ist keine Schwangerschaft möglich, und bei einem BMI unter 18,5 dauert es im Schnitt länger, schwanger zu werden. Vor einer geplanten Schwangerschaft ist ein BMI im Bereich von 19 bis 20 aufwärts sinnvoll, weil Untergewicht mit einem höheren Risiko für Frühgeburt und ein zu niedriges Geburtsgewicht einhergeht. Für untergewichtige Frauen wird in der Schwangerschaft eine Gewichtszunahme von etwa 12,5 bis 18 kg empfohlen – mehr als bei Normalgewicht mit 11,5 bis 16 kg. Wichtig sind zusätzlich Folsäure vor der Empfängnis, eine gute Eisen- und Jodversorgung und regelmäßige Kontrollen.
Immer ärztlich abklären: Ungewollter Gewichtsverlust hat oft eine körperliche Ursache – Schilddrüsenüberfunktion, Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, unerkannter Diabetes oder eine chronische Entzündung. Blutbild, TSH, Entzündungswerte, Blutzucker und Zöliakie-Antikörper klären die häufigsten Fälle. Wenn Gedanken an Essen, Figur und Gewicht den Alltag bestimmen, wenden Sie sich an das anonyme BZgA-Beratungstelefon zu Essstörungen unter 0221 89 20 31.
Gesund zunehmen: die konkreten Zahlen
Rechnen Sie mit einem Überschuss von 300 bis 500 kcal täglich, das ergibt 0,25 bis 0,5 kg pro Woche. Beispiel: 1,68 m, 48 kg (BMI 17,0), 29 Jahre. Grundumsatz nach Mifflin-St Jeor = 480 + 1.050 − 145 − 161 = rund 1.224 kcal; mit dem Aktivitätsfaktor 1,5 sind das rund 1.840 kcal Gesamtumsatz, plus 400 kcal also 2.240 kcal am Tag. Bis zu einem BMI von 19 fehlen rund 5,6 kg, das dauert etwa 14 Wochen. Setzen Sie auf Energiedichte statt größere Portionen: Nussmus, Olivenöl, Vollmilchprodukte, Haferflocken, Avocado und Trockenfrüchte – eine Übersicht mit Werten steht unter kalorienreiche gesunde Lebensmittel. Zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche und 1,2 bis 1,6 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht sorgen dafür, dass Muskulatur entsteht; den Bedarf berechnen Sie unter Eiweißbedarf berechnen, den vollständigen Plan finden Sie unter gesund zunehmen. Wenn Sie trotz hoher Zufuhr nicht zunehmen, hilft die Ursachensuche unter Zunehmen trotz viel Essen.
Häufige Fragen
Ab welchem BMI bleibt die Periode aus?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Häufig setzt die Blutung bei einem BMI unter 18 aus, sie kann aber auch bei normalem Gewicht ausbleiben, wenn die Energiebilanz längere Zeit negativ ist.
Welcher BMI ist bei Kinderwunsch sinnvoll?
Ein BMI ab etwa 19 bis 20 verbessert die Chancen auf einen regelmäßigen Eisprung. Bei Untergewicht steigen die Risiken für Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht.
Schadet Untergewicht den Knochen dauerhaft?
Fehlt Östrogen über Monate, sinkt die Knochendichte in der Phase des Knochenaufbaus bis Mitte 20. Der Verlust ist nur begrenzt nachholbar, deshalb ist frühes Gegensteuern wichtig.
Wie schnell sollte eine Frau mit Untergewicht zunehmen?
0,25 bis 0,5 kg pro Woche bei einem Überschuss von 300 bis 500 kcal täglich. Für 5 kg sind das etwa drei Monate.
Wann ist schlank noch normal und wann nicht mehr?
Stabiles Gewicht, regelmäßige Periode und unauffällige Blutwerte sprechen für eine konstitutionell schlanke Figur. Ungewollter Gewichtsverlust, Frieren, Haarausfall oder ausbleibende Blutungen nicht.