Caliper: Körperfett über die Hautfaltendicke bestimmen

Ein Caliper misst die Dicke einer angehobenen Hautfalte in Millimetern – mechanisch, ohne Strom und unabhängig davon, wie viel Sie getrunken haben. Dieser Kriterienvergleich erklärt Methode und Gerätetypen; im Labor geprüft haben wir nichts und nennen deshalb keine Testsieger.

Wie die Methode funktioniert

Sie greifen an festgelegten Stellen eine Hautfalte samt Unterhautfett zwischen Daumen und Zeigefinger, setzen die Zange kurz darunter an und lesen die Dicke in Millimetern ab. Die Summe mehrerer Falten wird über eine Gleichung – etwa nach Jackson und Pollock oder Durnin und Womersley – in eine Körperdichte und daraus in einen Fettanteil umgerechnet. Wichtig ist zu verstehen, was gemessen und was gerechnet wird: Gemessen wird ausschließlich Unterhautfett; der Anteil des Gesamtkörperfetts entsteht durch die Formel, die für die jeweilige Alters- und Geschlechtsgruppe gilt. Deshalb ist die Methode für einen Verlauf gut geeignet und für einen exakten Absolutwert nicht. Weitere Schätzverfahren ohne Gerät finden Sie unter Körperfettanteil berechnen.

Messpunkte: welche Falte wo

MessstelleLageFaltenrichtungÜbliche Verwendung
TrizepsRückseite Oberarm, Mitte zwischen Schulter und EllenbogensenkrechtFrauen, Vier-Falten-Methode
SuprailiakalOberhalb des Beckenkamms, seitlichschrägFrauen und Männer
OberschenkelVorderseite, Mitte zwischen Hüfte und KniesenkrechtFrauen und Männer
BrustZwischen vorderer Achselfalte und BrustwarzeschrägMänner, Drei-Falten-Methode
BauchEtwa 2 cm seitlich des NabelssenkrechtMänner, Drei-Falten-Methode

Gemessen wird immer auf derselben Körperseite – üblich ist rechts – und immer an der exakt gleichen Stelle. Ein Zentimeter Abweichung nach oben oder unten verändert die Faltendicke schnell um 2 bis 3 mm, und das schlägt in der Formel unmittelbar durch. Wer den Verlauf ernst nimmt, markiert die Punkte beim ersten Mal mit einem abwaschbaren Stift und notiert die Beschreibung, um beim nächsten Termin dieselbe Stelle zu treffen.

Caliper-Klassen im Vergleich

KlasseAnpressdruckAblesungSelbstmessungPasst zu
Einfache Kunststoffzangenicht definiertgrobe SkalaeingeschränktErster Einstieg, gelegentliche Kontrolle
Kunststoff-Caliper mit Federanschlagweitgehend konstantMillimeterskalaja, an Bauch und HüfteSelbstmessung ohne Helfer
Metall-Caliper mit definiertem Druckkonstant, meist rund 10 g je Quadratmillimeterfeine Skala mit Zeigernur mit zweiter PersonRegelmäßige Verlaufskontrolle
Digitaler CaliperkonstantDisplay, teils Appje nach BauformWer Werte automatisch speichern will

Der entscheidende Unterschied ist der Anpressdruck. Standardisierte Geräte drücken mit einer festgelegten Kraft, damit die Falte immer gleich stark komprimiert wird; bei einer beliebigen Kunststoffzange bestimmen Sie den Druck selbst und messen beim nächsten Mal anders. Die zweite Frage ist praktisch: An Bauch und Hüfte können Sie sich selbst messen, an Trizeps und Schulterblatt kaum – dort braucht es eine zweite Person, und zwar immer dieselbe.

Worauf Sie beim Messen achten

Messen Sie morgens, vor dem Training und vor dem Duschen – warme, stärker durchblutete Haut lässt die Falte dicker erscheinen. Greifen Sie die Falte etwa einen Zentimeter oberhalb der Messstelle, ziehen Sie Haut und Unterhautfett vom Muskel weg und setzen Sie die Zange unterhalb der Finger an. Lassen Sie die Zange zwei Sekunden wirken, bevor Sie ablesen: In dieser Zeit läuft das Gewebe zusammen und der Zeiger kommt zur Ruhe. Messen Sie jede Stelle dreimal und nehmen Sie den mittleren Wert, nicht den kleinsten. Halten Sie Reihenfolge, Körperseite, Uhrzeit und die messende Person konstant, und tragen Sie die Millimeterwerte einzeln in eine Liste ein – nicht nur den errechneten Prozentwert, denn Formeln lassen sich später ändern, Rohdaten nicht. Beurteilen Sie den Verlauf frühestens nach vier bis sechs Wochen.

Wann sich der Caliper nicht lohnt

Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Gewicht in einem gesunden Bereich liegt, brauchen Sie keinen Caliper. Dafür genügen eine einfache Waage, ein Maßband und die Einordnung über die BMI-Tabelle. Der Caliper erfasst zudem nur Unterhautfett; das gesundheitlich relevante Fett um die Bauchorgane bleibt ihm verborgen – hier ist der Taillenumfang mit seinen klaren Grenzen von 80 und 88 cm bei Frauen sowie 94 und 102 cm bei Männern die bessere Kennzahl, siehe Taillenumfang messen. Sinnvoll wird die Hautfaltenmessung, wenn Sie gezielt Muskeln aufbauen oder in einer Diät den Fettverlust vom Wasserverlust trennen wollen – dort ist sie der Bioimpedanzmessung insofern überlegen, als sie nicht auf Trinkmenge und Salz reagiert. Sie verlangt dafür Übung: Die ersten drei bis vier Messtermine sind meist Trainingsläufe.

Häufige Fragen

Ist ein Caliper genauer als eine Körperfettwaage?

Er ist anders ungenau. Der Caliper misst mechanisch und ist unabhängig vom Wasserhaushalt, hängt aber stark von der Übung des Messenden ab. Die Waage ist konstant in der Handhabung, aber wasserabhängig.

Wie viele Messpunkte brauche ich?

Drei Falten sind der übliche Kompromiss, sieben Falten mindern den Einfluss einer einzelnen Fehlmessung. Wichtiger als die Anzahl ist, dass Sie immer dieselben Punkte auf derselben Körperseite verwenden.

Warum misst mein Partner andere Werte als ich selbst?

Weil Griffbreite, Zugkraft und Position der Zange sich unterscheiden. Deshalb sollte immer dieselbe Person messen, sonst ist der Verlauf nicht vergleichbar.

Erfasst der Caliper auch Bauchinnenfett?

Nein. Er misst nur das Unterhautfettgewebe. Das gesundheitlich bedeutsame viszerale Fett um die Bauchorgane erfassen Sie besser über den Taillenumfang.

Wann sollte ich messen?

Morgens, vor dem Training und vor dem Duschen, immer zur gleichen Tageszeit. Nach Sport oder heißer Dusche ist die Haut stärker durchblutet und die Falte fällt dicker aus.

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