BMI und Lebenserwartung

Der Zusammenhang zwischen BMI und Sterblichkeit folgt keiner Geraden, sondern einer U-Kurve: sehr niedrige und sehr hohe Werte gehen mit einer erhöhten Sterblichkeit einher, dazwischen liegt ein breiter Bereich. Und dieser Bereich wandert mit dem Lebensalter nach oben.

BMI berechnen und altersgerecht einordnen

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Die U-Kurve: was die Studienlage zeigt

Große Auswertungen von Bevölkerungsdaten kommen übereinstimmend zu einem ähnlichen Bild: Die niedrigste Sterblichkeit findet sich nicht am unteren Rand der BMI-Skala, sondern in einem mittleren Bereich. Bei jüngeren und mittelalten Erwachsenen liegt dieser Bereich grob zwischen 22 und 25. Nach oben steigt die Kurve ab etwa 30 spürbar an, nach unten schon unterhalb von 18,5 – und zwar teils deutlich. Untergewicht ist statistisch kein harmloser Zustand: Es geht mit geringerer Muskelreserve, häufigeren Infekten, schlechterer Wundheilung und höherem Sturz- und Frakturrisiko einher.

Was die Zahlen nicht liefern, ist eine individuelle Prognose. Eine U-Kurve beschreibt Durchschnitte über Hunderttausende Menschen. Sie sagt nichts darüber, wie lange ein einzelner Mensch mit BMI 31 lebt – dafür sind Rauchstatus, Blutdruck, Blutzucker, Fitness und soziale Lage weit aussagekräftiger.

Warum sich das Optimum mit dem Alter verschiebt

Ab etwa dem 60. Lebensjahr liegt der günstigste BMI-Bereich höher als bei 30-Jährigen. Dafür gibt es drei nachvollziehbare Gründe. Erstens sinkt die Muskelmasse mit den Jahren – derselbe BMI bedeutet mit 75 einen höheren Fettanteil und weniger Reserve als mit 35. Zweitens schützt ein kleines Polster bei Krankheit, Operationen oder längeren Krankenhausaufenthalten vor raschem Kräfteverfall. Drittens sind Stürze und Oberschenkelhalsbrüche bei sehr niedrigem Gewicht häufiger und folgenreicher. Deshalb arbeiten viele Empfehlungen mit altersangepassten Richtwerten:

AlterGünstiger BMI-BereichBeispiel bei 1,70 m
19–24 Jahre19–2455–69 kg
25–34 Jahre20–2558–72 kg
35–44 Jahre21–2661–75 kg
45–54 Jahre22–2764–78 kg
55–64 Jahre23–2866–81 kg
ab 65 Jahre24–2969–84 kg

Eine 70-jährige Frau mit 1,65 m und 76 kg hat einen BMI von 27,9 – nach der starren WHO-Einteilung Übergewicht, nach den Altersrichtwerten mitten im günstigen Bereich. Beide Sichtweisen liefert der BMI-Rechner mit Altersanpassung; die vollständigen Klassengrenzen stehen in der BMI-Tabelle.

Drei Fallen beim Lesen solcher Studien

Die U-Kurve wird oft überinterpretiert. Drei Verzerrungen erklären einen erheblichen Teil des linken, also schlanken Kurvenastes. Umgekehrte Kausalität: Krebs, COPD, Herzschwäche und Demenz führen zu Gewichtsverlust, oft Jahre vor der Diagnose. Der niedrige BMI ist dann Folge, nicht Ursache. Rauchen: Raucherinnen und Raucher sind im Mittel schlanker und sterben früher – wer das nicht herausrechnet, schreibt dem Gewicht zu, was dem Tabak gehört. Muskelmasse: Der BMI trennt Fett und Muskel nicht. Zwei Menschen mit BMI 23 können sehr verschiedene Körperzusammensetzungen haben, mit entsprechend unterschiedlicher Prognose. Sorgfältige Analysen, die Raucher ausschließen und die ersten Beobachtungsjahre verwerfen, zeigen deshalb eine flachere, weiter nach links verschobene Kurve. Warum ein sehr niedriger Wert eigenständig belastend sein kann, steht auf der Seite Untergewicht.

Was mehr zählt als die Zahl

Wenn man einen einzigen Hebel wählen müsste, wäre es nicht die Waage. Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung und ein normaler Blutdruck wirken sich in Untersuchungen stark auf die Lebenserwartung aus – teilweise stärker als der BMI selbst. Dazu kommt die Fettverteilung: Ein erhöhter Taillenumfang (Frauen ab 80 bzw. 88 cm, Männer ab 94 bzw. 102 cm) geht auch bei normalem BMI mit höherem Risiko einher, während ein WHtR-Wert unter 0,5 – Taille geteilt durch Körpergröße – ein günstiges Muster anzeigt. Und Muskelmasse ist im Alter eine Reserve, die man aktiv aufbauen kann: Zwei Krafteinheiten pro Woche und 1 bis 1,2 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht erhalten sie auch mit 70 noch.

Praktisch heißt das: Kein Zielwert aus der Tabelle anpeilen, sondern die beeinflussbaren Größen verbessern. Wo Gewicht abgebaut werden sollte, reichen 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts, um Blutdruck, Blutzucker und Gelenkbelastung messbar zu entlasten. Wie das ohne Muskelverlust gelingt, beschreibt die Seite Übergewicht.

Ungewollter Gewichtsverlust ist ein Warnsignal

Mehr als 5 Prozent Gewichtsverlust in sechs Monaten ohne Absicht gehört ärztlich abgeklärt – unabhängig vom Ausgangs-BMI. Sinnvoll sind dann Blutbild, Entzündungswerte, Schilddrüsenwerte, Blutzucker und je nach Beschwerdebild weitere Diagnostik. Bei älteren Menschen kommen Kau- und Schluckprobleme, Medikamentennebenwirkungen und Einsamkeit als Ursachen hinzu. Ein sinkender BMI im Alter ist selten ein Erfolg, sondern meist ein Befund.

Häufige Fragen

Welcher BMI ist mit der höchsten Lebenserwartung verbunden?

Bei jüngeren Erwachsenen liegt der günstigste Bereich etwa zwischen 22 und 25. Mit steigendem Alter verschiebt sich das Minimum nach oben, ab 65 Jahren gelten Werte von etwa 24 bis 29 als günstig.

Warum ist leichtes Übergewicht im Alter kein Nachteil?

Ein kleines Polster schützt vor Muskelabbau, Stürzen und Gewichtsverlust bei Krankheit. Zusätzlich sinkt die Muskelmasse mit dem Alter, sodass derselbe BMI im Alter einen höheren Fettanteil bedeutet als mit 30.

Was bedeutet umgekehrte Kausalität bei BMI-Studien?

Menschen mit schweren Erkrankungen verlieren oft Gewicht, bevor die Krankheit erkannt wird. In der Statistik erscheinen sie dann als schlank mit hoher Sterblichkeit, obwohl die Krankheit die Ursache war und nicht der niedrige BMI.

Zählt Fitness mehr als der BMI?

Körperliche Fitness und Nichtrauchen wirken sich in Untersuchungen stark auf die Sterblichkeit aus, teilweise stärker als der BMI selbst. Bewegung verbessert Blutdruck, Blutzucker und Blutfette auch dann, wenn das Gewicht gleich bleibt.

Sollte ich abnehmen, um länger zu leben?

Sinnvoll ist das vor allem bei erhöhtem Taillenumfang oder bestehenden Begleiterkrankungen. Dann verbessern bereits 5 bis 10 Prozent Gewichtsreduktion Blutdruck, Blutzucker und Gelenkbelastung messbar. Ein niedriger BMI um seiner selbst willen ist kein sinnvolles Ziel.

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