BMI in der Stillzeit

In den ersten Wochen nach der Geburt ist der BMI kein brauchbarer Maßstab – Wassereinlagerungen und Rückbildung verschieben das Gewicht zu stark. Aussagekräftig wird er wieder nach sechs bis acht Wochen, und auch dann zählt der Verlauf mehr als die einzelne Zahl.

BMI nach der Geburt berechnen

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Was direkt nach der Geburt vom Gewicht verschwindet

Der Gewichtsverlust im Kreißsaal ist überschaubar und lässt sich genau beziffern. Ein Neugeborenes wiegt in Deutschland im Mittel rund 3,3 kg, die Plazenta etwa 0,6 kg, das Fruchtwasser knapp 1 kg. Zusammen sind das rund 5 kg. In den folgenden ein bis zwei Wochen kommen 1 bis 3 kg an eingelagertem Wasser und Blutvolumen hinzu, die über die Nieren ausgeschieden werden. Die Gebärmutter selbst schrumpft von etwa 1 kg auf 50 bis 70 g – das dauert rund sechs Wochen. Wer zwei Tage nach der Entbindung auf die Waage steigt und den BMI nach der üblichen Formel ausrechnet, misst also im Wesentlichen Wasser.

Wie viel Gewichtszunahme in der Schwangerschaft normal war

Die international genutzten Empfehlungen zur Gewichtszunahme hängen vom BMI vor der Schwangerschaft ab. Je höher der Ausgangs-BMI, desto geringer die empfohlene Zunahme.

Empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft nach Ausgangs-BMI (Einling)
BMI vor der SchwangerschaftEinordnungEmpfohlene Zunahme gesamt
unter 18,5Untergewicht12,5–18 kg
18,5–24,9Normalgewicht11,5–16 kg
25,0–29,9Übergewicht7–11,5 kg
ab 30,0Adipositas5–9 kg

Diese Spannen erklären, warum das Gewicht nach der Geburt so unterschiedlich ausfällt. Wer im Normalbereich startete und 14 kg zugenommen hat, trägt nach Abzug von Kind, Plazenta und Wasser noch etwa 6 bis 8 kg mit sich – das ist die Reserve, die der Körper für die Milchbildung angelegt hat.

Beispielrechnung über sechs Monate

Eine Frau ist 1,68 m groß und wog vor der Schwangerschaft 64 kg. Ihr Ausgangs-BMI: 64 geteilt durch 2,8224 (1,68 × 1,68) ergibt 22,7 – Normalgewicht. Sie nimmt 14 kg zu und wiegt bei der Entbindung 78 kg. Direkt nach der Geburt sind rund 6 kg weg, sie steht bei 72 kg, das entspricht einem BMI von 25,5. Nach acht Wochen, wenn das eingelagerte Wasser ausgeschieden ist, sind es 70 kg, also BMI 24,8. Mit einem moderaten Tempo von 0,4 kg pro Woche über die folgenden 14 Wochen erreicht sie 64,4 kg und damit wieder BMI 22,8. Insgesamt sind das gut sechs Monate – ein völlig normaler Zeitraum, der in vielen Ratgebern deutlich zu kurz dargestellt wird.

Kalorienbedarf beim Stillen

Ausschließliches Stillen kostet Energie: Bei einer Milchmenge um 750 ml täglich liegt der Mehrbedarf im ersten Halbjahr bei rund 500 kcal pro Tag. Ein Teil davon stammt aus den Fettreserven der Schwangerschaft, den Rest muss die Ernährung liefern. Rechnen wir konkret weiter mit der Frau aus dem Beispiel, 31 Jahre, 1,68 m, 70 kg: Der Grundumsatz nach Mifflin-St Jeor beträgt 10 × 70 + 6,25 × 168 − 5 × 31 − 161 = 700 + 1.050 − 155 − 161 = 1.434 kcal. Mit einem Aktivitätsfaktor von 1,4 – Alltag mit Baby ist Bewegung, aber selten Sport – ergibt das rund 2.010 kcal Gesamtumsatz. Plus 500 kcal Stillzuschlag sind es 2.510 kcal. Ein Defizit von 300 kcal führt zu etwa 0,3 kg Abnahme pro Woche und lässt immer noch rund 2.200 kcal übrig. Wichtig: Unter 1.800 kcal täglich sollten Sie in der Stillzeit ohne ärztliche Begleitung nicht gehen.

Faustregel für das Tempo: 0,25 bis 0,5 kg pro Woche entsprechen einem Defizit von 250 bis 500 kcal täglich und gelten in der Stillzeit als unbedenklich. Schnellere Abnahme mobilisiert Fettreserven stärker, kostet Muskelmasse und geht bei vielen Frauen mit einem Rückgang der Milchmenge einher.

Warum Crash-Diäten in dieser Phase besonders ungünstig sind

Sehr niedrige Kalorienzufuhr senkt den Grundumsatz messbar und baut vor allem Muskulatur ab – in einer Lebensphase mit chronischem Schlafmangel, hohem Eiweißbedarf und wenig Regeneration ist das die schlechteste Kombination. Realistischer ist ein Eiweißanteil von etwa 1 bis 1,2 g pro kg Körpergewicht, bei 70 kg also 70 bis 84 g täglich, verteilt über den Tag: Quark oder Skyr zum Frühstück, Hülsenfrüchte oder Fisch mittags, Eier oder Käse abends. Dazu zwei kurze Krafteinheiten pro Woche, sobald die Rückbildung abgeschlossen und ärztlich freigegeben ist. Das gleiche Prinzip beschreibt ausführlicher die Seite zum Kaloriendefizit berechnen.

Wo der BMI in dieser Phase an seine Grenze stößt

Der BMI unterscheidet nicht zwischen Wasser, Fett und Muskulatur – nach einer Geburt sind alle drei in Bewegung. Er sagt auch nichts darüber, wo das verbliebene Gewicht sitzt. Aussagekräftiger sind zwei einfache Messungen: der Taillenumfang (unter 80 cm unauffällig, ab 88 cm deutlich erhöht) und der Vergleich mit dem eigenen Ausgangsgewicht statt mit einer Tabelle. Auch ein zu niedriger Wert verdient Aufmerksamkeit: Ein BMI unter 18,5 in der Stillzeit ist ein Grund, die Energiezufuhr zu erhöhen und das in der Hebammen- oder Hausarztbetreuung anzusprechen – Hinweise dazu finden Sie unter Untergewicht. Bei belastenden Gedanken rund um Essen und Figur hilft das anonyme BZgA-Beratungstelefon unter 0221 89 20 31 weiter.

Bleibt der BMI ein Jahr nach der Geburt über 25, ist das kein Versagen, sondern ein guter Zeitpunkt für eine strukturierte Herangehensweise – die Bausteine dafür stehen unter Abnehmen bei BMI 25 bis 30. Welche Werte in Ihrer Altersgruppe als unauffällig gelten, zeigt die BMI-Tabelle.

Häufige Fragen

Ab wann ist der BMI nach der Geburt wieder aussagekräftig?

Frühestens sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Vorher verfälschen Wassereinlagerungen, die Rückbildung der Gebärmutter und das erhöhte Blutvolumen den Wert um mehrere Kilogramm.

Wie viel Kalorien mehr braucht man beim Stillen?

Beim ausschließlichen Stillen im ersten Halbjahr liegt der Mehrbedarf bei rund 500 kcal pro Tag. Beim Teilstillen ist er entsprechend geringer, etwa 250 bis 300 kcal.

Darf ich in der Stillzeit abnehmen?

Ja, langsam. Etwa 0,25 bis 0,5 kg pro Woche gelten als unbedenklich und beeinträchtigen die Milchmenge nicht. Unter 1.800 kcal pro Tag sollten Sie ohne ärztliche Begleitung nicht gehen.

Nimmt man durch Stillen automatisch ab?

Nicht zwangsläufig. Der Mehrverbrauch von rund 500 kcal begünstigt die Abnahme, wird aber oft durch mehr Hunger und weniger Schlaf ausgeglichen. Manche Frauen halten das Gewicht, solange sie stillen.

Wie lange dauert es bis zum Ausgangsgewicht?

Bei 0,25 bis 0,5 kg pro Woche dauern 6 kg etwa drei bis sechs Monate. Sechs bis zwölf Monate bis zum Ausgangsgewicht sind ein normaler Zeitraum, ein Rest von 1 bis 2 kg bleibt häufig bestehen.

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