BMI beim Baby: Warum Säuglinge anders beurteilt werden

Für Babys und Kleinkinder unter zwei Jahren wird der BMI in der Praxis nicht verwendet. Maßgeblich sind stattdessen die Kurven für Gewicht nach Alter, Länge nach Alter, Gewicht nach Länge und Kopfumfang – genau die Kurven, die im gelben Vorsorgeheft stehen.

BMI berechnen (Kinder ab 2 Jahren)

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Warum der BMI bei Säuglingen wenig aussagt

Der BMI setzt das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße im Quadrat. Diese Formel wurde an Erwachsenen entwickelt und funktioniert dort gut, weil die Körperproportionen stabil sind. Bei einem Säugling ist nichts stabil: Der Kopf macht am Anfang etwa ein Viertel der Körperlänge aus, die Beine sind vergleichsweise kurz, und der Anteil an Körperfett steigt in den ersten Lebensmonaten physiologisch stark an, um danach wieder zu sinken. Ein rechnerisch ermittelter BMI von 17 sagt bei einem sechs Monate alten Baby schlicht nichts darüber aus, ob es gut versorgt ist.

Hinzu kommt das Messproblem. Babys werden liegend gemessen, nicht stehend – die Körperlänge im Liegen fällt gegenüber der Standhöhe etwas größer aus. Und schon 1 cm Abweichung verändert bei einer Länge von 65 cm den rechnerischen BMI spürbar. Deshalb arbeiten Kinderärztinnen und Kinderärzte in den ersten beiden Lebensjahren mit den Einzelkurven statt mit einem zusammengesetzten Index. Wie die Berechnung grundsätzlich funktioniert, erklärt die Seite zur BMI-Formel; ab dem zweiten Geburtstag wird sie dann sinnvoll und der BMI-Rechner für Kinder liefert eine Perzentil-Einordnung.

Welche Kurven im ersten Lebensjahr zählen

Für die Beurteilung eines Säuglings werden vier Maße getrennt in Perzentilkurven eingetragen. Die Weltgesundheitsorganisation hat dafür Wachstumsstandards veröffentlicht, die auf gestillten Kindern unter guten Bedingungen beruhen; im deutschen Vorsorgeheft finden Sie vergleichbare Kurven.

MaßWas es zeigtWann es besonders wichtig ist
Gewicht nach AlterOb die Gewichtszunahme dem Alter entsprichtErste Wochen und Monate
Länge nach AlterOb das Längenwachstum stimmtGesamtes erstes Lebensjahr
Gewicht nach LängeOb Gewicht und Länge zueinander passen – der eigentliche Ersatz für den BMIBei Verdacht auf Unter- oder Überversorgung
KopfumfangWachstum des Schädels und indirekt des GehirnsErste zwölf Monate

Die Bewertung folgt derselben Logik wie bei älteren Kindern: Alles zwischen P10 und P90 gilt als unauffällig, unter P3 und über P97 wird genauer hingesehen. Ausführlich erklärt ist dieses Prinzip auf der Seite zu BMI-Perzentilen bei Kindern.

Typische Entwicklung im ersten Jahr

Reif geborene Kinder wiegen im Mittel etwa 3.300 bis 3.500 g und messen rund 50 cm. In den ersten Lebenstagen verlieren die meisten Neugeborenen an Gewicht – bis etwa 7 bis 10 % des Geburtsgewichts gelten als normal; das Geburtsgewicht wird üblicherweise innerhalb von zwei Wochen wieder erreicht. Danach folgt die Phase mit der höchsten Wachstumsgeschwindigkeit des ganzen Lebens: Das Geburtsgewicht verdoppelt sich etwa im vierten bis sechsten Lebensmonat und verdreifacht sich ungefähr bis zum ersten Geburtstag. Die Körperlänge nimmt im ersten Jahr um rund 25 cm zu.

Wichtiger als jeder Einzelwert ist auch hier der Verlauf. Ein Baby, das seit der Geburt stabil auf P25 liegt und sich gut entwickelt, ist gesund. Ein Baby, das von P50 innerhalb weniger Wochen auf P10 abrutscht, gehört untersucht – selbst wenn P10 formal noch im Normalbereich liegt. Genauso gilt: Ein kräftiger Säugling auf P90 ist kein Fall für Diätgedanken. Übergewicht im Sinne einer Behandlung ist im ersten Lebensjahr kein Thema; ein Baby wird nicht auf Vorrat schlank gehalten.

Die Vorsorgeuntersuchungen als Taktgeber

Im ersten Lebensjahr sind die U-Untersuchungen eng getaktet: U1 direkt nach der Geburt, U2 zwischen dem 3. und 10. Lebenstag, U3 in der 4. bis 5. Lebenswoche, U4 im 3. bis 4. Monat, U5 im 6. bis 7. Monat, U6 im 10. bis 12. Monat, U7 im 21. bis 24. Monat. Bei jedem Termin werden Gewicht, Länge und Kopfumfang gemessen und eingetragen. Diese Punkte ergeben mit der Zeit die Linie, auf die es ankommt – deshalb lohnt es sich, keinen Termin ausfallen zu lassen und das Vorsorgeheft aufzubewahren.

Wann Sie zum Kinderarzt sollten

Sprechen Sie kurzfristig mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Hebamme, wenn Ihr Baby nach den ersten zwei Wochen sein Geburtsgewicht nicht wieder erreicht hat, wenn es über mehrere Wochen gar nicht zunimmt oder abnimmt, wenn die Gewichtskurve zwei Hauptperzentilen abfällt, wenn es deutlich weniger als fünf bis sechs nasse Windeln am Tag hat, auffällig schlapp oder schwer weckbar ist, häufig erbricht oder das Trinken verweigert. Auch ein ungewöhnlich schnelles Überschreiten mehrerer Perzentilen nach oben gehört besprochen. Für die Zeit danach – ab dem zweiten Geburtstag – finden Sie die passenden Referenzwerte auf der Seite zu Übergewicht bei Kindern und im Kinder-BMI-Rechner. Die WHO-Grenzwerte für Erwachsene, die erst ab 18 Jahren gelten, stehen in der BMI-Tabelle.

Häufige Fragen

Kann man den BMI bei einem Baby berechnen?

Rechnerisch ja, medizinisch sinnvoll ist es nicht. Unter zwei Jahren verändern sich Körperproportionen und Fettanteil so stark, dass der Wert nicht interpretierbar ist. Verwendet werden stattdessen Gewichts-, Längen- und Kopfumfangskurven.

Ab welchem Alter ist der BMI bei Kindern aussagekräftig?

Ab etwa zwei Jahren. Dann wird im Stehen gemessen, und es liegen Perzentilkurven für den BMI vor – in Deutschland üblicherweise nach Kromeyer-Hauschild.

Wie viel nimmt ein Baby normalerweise zu?

Das Geburtsgewicht verdoppelt sich etwa im vierten bis sechsten Lebensmonat und verdreifacht sich ungefähr bis zum ersten Geburtstag. Die Länge nimmt im ersten Jahr um rund 25 cm zu.

Mein Baby liegt auf P10 – ist das zu wenig?

Nicht automatisch. Alles zwischen P10 und P90 gilt als unauffällig, und ein Kind muss die unteren Kurven ebenso besetzen wie die oberen. Entscheidend ist, dass die Kurve stabil verläuft und nicht abfällt.

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